Veröffentlicht am 27. Oktober 2026
Die Landeskliniken in Baden, Mödling und Wiener Neustadt stehen vor spürbaren Veränderungen. Mit dem Gesundheitsplan 2040+ ordnet die NÖ Landesgesundheitsagentur (LGA) die medizinische Versorgung in der Thermenregion neu. Einzelne Abteilungen wandern zwischen den Standorten, Wiener Neustadt soll das zweite Zentralklinikum des Landes werden, und erst kürzlich wurde ein weiteres Puzzleteil bekannt: der Ausbau des landesweiten Tumornetzwerks.
Was ist der Gesundheitsplan 2040+?
Im März 2025 beschloss der niederösterreichische Landtag den Gesundheitsplan 2040+. Er sieht eine stärkere Spezialisierung und engere Zusammenarbeit der Klinikstandorte vor, organisiert in Versorgungsregionen, von denen die Thermenregion eine ist. Ergänzend wird die Primärversorgung ausgebaut: In jeder Bezirkshauptstadt soll bis 2028 mindestens eine Primärversorgungseinheit (PVE) entstehen. Dazu kommen Erstversorgungsambulanzen (EVA), die die Kliniken entlasten sollen.
Was ändert sich konkret in Baden und Mödling?
Das Landesklinikum Baden-Mödling wird laut Zielbild des Plans ein Klinikum mit regionalen Schwerpunktfunktionen. Bei den Fachabteilungen tut sich einiges, wie Landesrat Anton Kasser bei einer Pressekonferenz am 10. Juni 2026 im Spital Baden erklärte:
- Die Neurologie wird von Mödling nach Baden verlegt und dort erweitert.
- Die Gefäßchirurgie wird am Standort Baden ausgebaut.
- Die Urologie wird nach Mödling verlegt, wo bereits Kinderurologie sowie Gynäkologie und Geburtshilfe angesiedelt sind. Ab 2027 soll sie dort mit einer modernen roboterchirurgischen Einheit ausgestattet sein. Neben dem OP-Roboter in Wiener Neustadt gibt es damit einen zweiten Roboter in der Thermenregion.
Die beiden Klinikstandorte sollen sich laut Kasser auf ihre Kernaufgaben konzentrieren, vor allem auf die hochspezialisierte Behandlung. Silvia Bodi, Geschäftsführerin der Gesundheit Thermenregion GmbH, nennt neben der Roboterchirurgie auch telemedizinische Angebote wie „HerzMobil“. Gestärkt werden außerdem die Kinder- und Jugendpsychiatrie in Hinterbrühl sowie die Akutgeriatrie und Remobilisation in der Region.
Wiener Neustadt wird zweites Zentralklinikum
Die größte strukturelle Veränderung betrifft Wiener Neustadt. Laut Land Niederösterreich entsteht dort bis 2040 ein neues Klinikum, das neben St. Pölten das zweite Zentralklinikum des Landes sein wird. Das Universitätsklinikum arbeitet künftig noch enger mit dem Standort Hochegg zusammen, unter anderem durch die Bündelung der Akutpulmologie in Wiener Neustadt. In Hochegg bleibt das Zentrum für Neurologische Frührehabilitation ein wesentlicher Bestandteil der Versorgung, zusätzlich entsteht dort ein altersmedizinisches Zentrum.
Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen den Standorten?
Die Logik des Gesundheitsplans lautet: Nicht jeder Standort bietet künftig noch jede Leistung an, dafür soll die jeweils vorhandene Spezialisierung allen Patientinnen und Patienten der Region zugutekommen. Das Zielbild für die Thermenregion sieht so aus: Wiener Neustadt mit Zentralfunktion, Baden-Mödling mit regionalen Schwerpunktfunktionen, Neunkirchen und Hainburg mit Grundversorgungsfunktionen sowie Hinterbrühl und Hochegg als Kliniken mit besonderen Aufgaben. Die Primärversorgungseinheiten und Erstversorgungsambulanzen sollen Beschwerden auffangen, die keine Klinikbehandlung erfordern.
Der jüngste Baustein: Das Tumornetzwerk Niederösterreich
Am 22. Oktober 2026 gab das Land den nächsten Ausbauschritt bekannt. Jedes Jahr erhalten rund 9.700 Menschen in Niederösterreich eine Krebsdiagnose, im vergangenen Jahr wurden mehr als 30.000 Patientinnen und Patienten mit einer onkologischen Diagnose in den Kliniken der Landesgesundheitsagentur behandelt. Damit die Versorgung unabhängig davon gut ist, an welchem Klinikum die Behandlung beginnt, wird das Tumornetzwerk Niederösterreich weiter ausgebaut.
Ein erstes Teilprojekt läuft bereits: Seit Anfang 2026 sind alle Klinikstandorte, die Krebspatientinnen und -patienten behandeln, an ein gemeinsames Tumorboard für Erkrankungen des Blutes und des blutbildenden Systems angebunden. Rund 1.000 Patientinnen und Patienten haben davon profitiert. LGA-Vorständin Elisabeth Bräutigam kündigte an, dass nun auch bei anderen Krebsarten eine stärkere Vernetzung aufgebaut wird, etwa bei Lungenkrebs sowie bei Tumoren des Gehirns und des Nervensystems. Außerdem ist ein zentrales molekulares Tumorboard in Erarbeitung.
Auch die derzeit sieben zertifizierten onkologischen Zentren des Landes sollen weiterentwickelt werden. In der Thermenregion zählen dazu Wiener Neustadt und Baden-Mödling, beide im Bereich Brust. Landesrat Kasser bezeichnet das Tumornetzwerk als gemeinsames Qualitätsprojekt der Kliniken.
Welche Auswirkungen hat das auf Wartezeiten und Anfahrtswege?
Hier liegt der eigentliche Knackpunkt für Patientinnen und Patienten aus dem Bezirk Baden: Wer künftig eine neurologische Behandlung braucht, fährt dafür nach Baden statt nach Mödling, umgekehrt gilt das für urologische Eingriffe. Ob sich durch die Bündelung von Spezialwissen die Wartezeiten insgesamt verkürzen oder ob längere Anfahrtswege diesen Vorteil für einzelne Patientengruppen wieder aufheben, lässt sich aus den veröffentlichten Unterlagen von Land und LGA nicht beantworten. Dafür wären konkrete Zahlen zu den aktuellen Wartezeiten und zum Umsetzungsstand der einzelnen Maßnahmen nötig, die bei der Landesgesundheitsagentur gesondert zu erfragen wären.
Festhalten lässt sich: Der Gesundheitsplan 2040+ ist ein auf mehr als ein Jahrzehnt angelegtes Vorhaben. Einzelne Schritte, wie die roboterchirurgische Einheit in Mödling ab 2027, haben bereits ein konkretes Zieldatum, andere Teile befinden sich noch in der Umsetzungs- oder Planungsphase. Für Patientinnen und Patienten in der Thermenregion bedeutet das: Die Weichen für eine spürbar veränderte Versorgungslandschaft sind gestellt, wie genau sich das im Alltag auswirkt, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen.
Quellen: Land Niederösterreich (Pressemeldungen vom 10. Juni und 22. Oktober 2026, Informationsseiten zum Gesundheitsplan 2040+ und zur Thermenregion), NÖ Landtag (Antrag zum Gesundheitsplan), Universitätsklinikum Wiener Neustadt (NÖ LGA).






