Veröffentlicht am 23. Oktober 2026
St. Pölten (OTS) –
Zum 66. Mal wurden am gestrigen Donnerstagabend die niederösterreichischen Kulturpreise vergeben. Im Rahmen einer Gala im Festspielhaus in St. Pölten zeichnete Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner 24 Künstlerinnen und Künstler sowie Kulturinitiativen in acht verschiedenen Kategorien aus, und zwar in den Kategorien Architektur, Bildende Kunst, Erwachsenenbildung, Literatur, Medienkunst – künstlerische Fotografie, Musik sowie Volkskultur und Kulturinitiativen. Der diesjährige Sonderpreis ging an künstlerische Leistungen in der Sparte „Tanz und Performance“. Vergeben wurden je Kategorie ein Würdigungspreis (mit 13.000 Euro dotiert) sowie zwei mit 6.000 Euro dotierte Anerkennungspreise.
„Wir sagen heute Danke an Menschen, die uns mit ihrer Kreativität, ihrer Innovationskraft und ihren Ideen berühren, begeistern, zum Nachdenken und zum Umdenken bringen“, sagte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner. Gerade in einer Zeit der globalen Krisen „brauchen wir nicht weniger Kunst und Kultur, sondern mehr“, zeigte sie sich darüber hinaus überzeugt: „Wir brauchen Künstlerinnen und Künstler, die hinschauen, wo andere wegschauen, die uns neue Perspektiven eröffnen.“ Denn Kunst und Kultur seien „eine tragende Säule unserer Gesellschaft“, „sie sind Brückenbauer und stärken unsere Identität und das Wir-Gefühl“ und seien darüber hinaus auch „ein wichtiger Faktor für Wirtschaft und Tourismus“, so die Landeshauptfrau.
Niederösterreich sei „ein Land, in dem Kunst und Kultur in der Spitze und in der Breite verankert sind“, „und das an 365 Tagen im Jahr“, so Milkl-Leitner. Wer in Niederösterreich unterwegs sei, der spüre „Kunst und Kultur an allen Ecken und Enden“, vom künstlerischen Experiment über die Volkskultur bis hin zur Kunst im öffentlichen Raum, betonte sie: „Die Vielfalt macht es aus – und das zeigt sich heute auch an den Preisträgerinnen und Preisträgern.“
Durch die Kulturpreisverleihung führte die Moderatorin Teresa Vogl, musikalisch begleitet durch Clemens Schaller und Band. Als Gastredner fungierte Klaus Albrecht Schröder, Kunsthistoriker und langjähriger Generaldirektor der Albertina, der betonte: „Künstlerinnen und Künstler schaffen mit ihrem Werk die Möglichkeit einzigartiger Erfahrungen: für sich, für uns, für die Welt. Eine verantwortliche Kulturpolitik muss dafür sorgen, dass Menschen diese Möglichkeit wahrnehmen können.“
Uraufführung feierte das neueste Musikstück „Hippolyt – Unleash the Horses!“ von Karlheinz Essl junior und Rebecca Horner, ehemalige Solotänzerin des Wiener Staatsballetts, begeisterte mit ihrer eigens entwickelten Tanzperformance – als Umrahmung für den heurigen Sonderpreis „Tanz und Performance“.
In der Kategorie Architektur erhielt das Büro archipel architekten, vertreten durch Architekt Johannes Kraus, den Würdigungspreis für das umfassende Portfolio von exzellenten, nationalen wie internationalen Bauten, wie das Hermann-Nitsch-Museum in Mistelbach oder den Konzertsaal in Hermannswörth. Den Anerkennungspreis in dieser Sparte erhielten Leonhard Panzenböck für die gelungene Umwandlung einer alten Werkstätte in einen Kulturraum im Ortskern von Pottenstein an der Triesting sowie die a quadrat Ziviltechniker GmbH & Co KG für die Neugestaltung des Kirchenvorplatzes in Großrußbach.
In der Bildenden Kunst wurde Frenzi Rigling mit dem Würdigungspreis für ihr einzigartiges und vielstimmiges Schaffen in der zeitgenössischen Kunst geehrt. Die Anerkennungspreise gingen an Florian Schmidt, der sich durch eine vielversprechende, international beachtete Entwicklung in der Konkreten Kunst sowie durch seine Ausstellungstätigkeit hervortat, und an Katrina Daschner, die als Künstlerin und Filmemacherin in ihren interdisziplinären Projekten konsequent genderspezifische Machtstrukturen kritisch hinterfragt.
In der Sparte Erwachsenenbildung wurde das langjährige Engagement von August Breininger bei der kulturellen Entwicklung Badens und konkret bei der Stärkung der Volkshochschule gewürdigt. Das Kokoschka Museum Pöchlarn erhielt eine Anerkennung für seine hochkarätige wissenschaftliche und vermittelnde Arbeit rund um den Künstler Oskar Kokoschka, während der Verein Waldviertler Heimatbund für seine Forschungen zur Region durch Veranstaltungen, Sammlungen und die Herausgabe der Zeitschrift „Das Waldviertel“ ausgezeichnet wurde.
In der Literatur wurde Georg Bydlinski für sein umfangreiches Werk in Lyrik, Prosa, Kinderliteratur und Übersetzung, das bisher rund 80 Bücher umfasst, mit dem Würdigungspreis bedacht. Die Anerkennungspreise erhielten Patricia Mathes für ihren im September 2026 erschienenen Gedichtband „wolkenbruch“ sowie Michael Stavarič für seinen 2025 veröffentlichten Roman „Die Schattenfängerin“.
In der Kategorie Medienkunst – künstlerische Fotografie wurde der Fotograf Fritz Simak, ein wichtiger Vertreter der konzeptuellen Fotografie in Österreich, mit dem Würdigungspreis für seine analogen Aufnahmen geehrt, in denen er die Grundelemente Licht und Zeit untersucht. Matthias Klos wurde für seine Fotografien ausgezeichnet, die historische und ökonomische Zusammenhänge im nördlichen Waldviertel beleuchten, und Lisa Rastl erhielt eine Anerkennung für ihre Reflexion fotografischer Verfahren im Spannungsfeld zwischen Fotografie, Skulptur und Institutionskritik.
Im Bereich Musik ging der Würdigungspreis an Johanna Doderer, die sich nicht nur durch ihr internationales kompositorisches Schaffen für Kammermusik und Orchester, sondern auch als Förderin junger Talente durch das Festival hören:sitzendorf und die Konzertreihe „Das klingende Schloss“ verdient gemacht hat. Cordula Bösze wurde für ihre Tätigkeit als Musikvermittlerin, Pädagogin und Leiterin einer Kompositionswerkstatt geehrt, während Jakob Kammerer für sein Wirken als Musiker, Obmann des Jazzclubs Melk und Kurator der Tischlerei Melk Kulturwerkstatt eine Anerkennung erhielt.
In der Kategorie Volkskultur und Kulturinitiativen wurde Erhard Mann als renommierter Musikpädagoge, Chorleiter und Komponist mit dem Würdigungspreis ausgezeichnet. Der aL!VE – Allentsteiger lichtspiel Verein erhielt eine Anerkennung für die Wiederbelebung des historischen Gebäudes „lichtspiel Allentsteig“ als modernes Medien- und Kulturzentrum. Zudem wurde Uta Maria Matschiner für die Organisation und Konzipierung von Ausstellungen, Konzerten und weiteren Aktivitäten im Museum der Stadt St. Valentin geehrt.
Mit dem Würdigungspreis in der Kategorie des Sonderpreises „Tanz und Performance“ wurde Michael Birkmeyer für seine Tätigkeit als Tänzer, Choreograf und langjähriger künstlerischer Leiter des Festspielhauses St. Pölten bedacht. Die Anerkennungspreise gingen an Anna Josefine Holzer für ihren Tanzfilm „ES WIR(D)T – Männer weinen nicht“ im ehemaligen Stidl-Wirtshaus in Pillichsdorf, in dem sie sich gemeinsam mit Profitänzern und Dorfbewohnern mit Männlichkeitsbildern auseinandersetzt, sowie an Dorothea Zeyringer für ihre profilierte Performancepraxis an der Schnittstelle von bildender und darstellender Kunst auf renommierten nationalen und internationalen Bühnen.
Nähere Informationen: Leonie Gruber, MA, Abteilung Kunst und Kultur, e-Mail: [email protected], Tel.: 0676/81213135.
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