Veröffentlicht am 27. September 2026

Ein Grundstück, zwei gescheiterte Volksbefragungen und jetzt offenbar doch eine Mehrheit dafür: Am Montag soll der Gemeinderat von Breitenfurt die ersten Beschlüsse für eine Bebauung der Breiteneder-Gründe fassen, einer rund 10.000 Quadratmeter großen Wiese im Ortszentrum.

Unter dem Namen „Wiesenpark“ ist auf der Fläche ein neues Ärztezentrum vorgesehen, dazu etwa 300 Wohnungen und Grünflächen. Damit das möglich wird, muss der Gemeinderat gleich mehrere Weichen stellen: Bebauungs- und Flächenwidmungsplan sollen geändert werden, mit der Grundstückseigentümerin BIP Immobilienverwaltung ist ein Raumordnungsvertrag geplant, und die seit Jahren bestehende Bausperre auf dem Areal soll fallen.

Zweimal Nein bei Volksbefragungen

Ganz neu ist das Thema für Breitenfurt nicht. Schon mehrfach haben Eigentümer versucht, die Fläche zu bebauen, gescheitert sind sie jedes Mal. Zweimal ließ die Gemeinde ihre Bevölkerung darüber abstimmen, und beide Male lehnte die Mehrheit eine Bebauung ab.

Diesmal könnte es trotzdem anders laufen. Rechnet man die Mandate zusammen, kommen ÖVP, SPÖ und Neos gemeinsam auf 15 von 29 Sitzen im Gemeinderat, die Gegenseite aus Grünen, Liste Zukunft Breitenfurt und FPÖ auf 14. Ob es am Montag überhaupt zur Abstimmung kommt, ist damit aber noch nicht gesagt: Verlässt die Opposition während der Sitzung den Saal, fehlt möglicherweise die nötige Anwesenheit, und die Entscheidung würde sich um Wochen verschieben.

Sorge um Verkehr und Hochwasserschutz

Für die Liste Zukunft Breitenfurt, die selbst aus dem Widerstand gegen eine Bebauung der Breiteneder-Gründe entstanden ist, steht mehr auf dem Spiel als ein einzelnes Bauprojekt. Sprecherin Larissa Putz bringt die Bedenken so zusammen: „Es geht um die Frage, wie wir in Zukunft in Breitenfurt leben wollen.“ Konkret nennt die Liste zusätzlichen Verkehr, mögliche Engpässe bei der Infrastruktur und Risiken durch Hochwasser und Trockenheit als offene Fragen, die aus ihrer Sicht bislang nicht ausreichend beantwortet wurden.

Auch die Bürgerinitiative „Zukunft Breitenfurt, wir reden mit!“ sieht Informationsbedarf. Sie hat Bürgermeister Wolfgang Schredl aufgefordert, alle Haushalte der Gemeinde über die Folgen des Projekts für Infrastruktur und Hochwasserschutz zu informieren, und ruft für Montag vor Sitzungsbeginn zu einer Kundgebung auf.

Bürgermeister verweist auf Auflagen und sechs Millionen Euro

Schredl selbst sieht das anstehende Projekt nicht auf einer Stufe mit jenen, über die früher abgestimmt wurde. Aus seiner Sicht bringt der aktuelle Entwurf spürbare Einschränkungen mit sich, etwa durch ein Biodiversitätskonzept, das im Raumordnungsvertrag festgeschrieben werden soll. Dazu kommt ein finanzielles Angebot der Grundstückseigentümerin: Als Ausgleich für die Kosten, die der Gemeinde durch die neuen Wohnungen und das Ärztezentrum entstehen, hat sie einen Infrastrukturbeitrag von sechs Millionen Euro in Aussicht gestellt.

Dieses Angebot dürfte auch als Druckmittel gedacht sein. Kommt keine Einigung zustande, hat der Rechtsanwalt der Eigentümerin bereits angekündigt, die Bebauung notfalls auch ohne die Gemeinde gerichtlich durchzusetzen, die sechs Millionen Euro wären dann vom Tisch. Wie die Sitzung am Montag tatsächlich ausgeht, war bei Redaktionsschluss noch offen.