Veröffentlicht am 2. Oktober 2026
Seit 1. Oktober gilt in Österreich die Paketsteuer: 2 Euro netto pro Paket, für Sie als Kunden 2,40 Euro. Offiziell schuldet sie der Versandhändler. Wer aber bei Amazon, Otto oder Zalando bestellt, sieht sie als eigene Position vor dem Kauf, einmal pro Bestellung. Bezahlen muss also der Kunde. Betroffen sind nur Händler mit mehr als 100 Millionen Euro Versandhandelsumsatz in Österreich, laut Handelsverband sind das 16 Unternehmen.
Die Frage, die mich interessiert: Wird künftig wieder mehr regional eingekauft? Sackerl statt Packerl? Das ist ein Blick nach vorn, Zahlen dazu gibt es naturgemäß keine. Man kann sich aber ansehen, wofür die Steuer gedacht ist und ob die reginalen Bedingungen überhaupt dazu passen.
Eine Steuer, die ein anderes Loch stopfen soll
Als Ziele nennt das Finanzministerium die Entlastung des stationären Handels und der Ortskerne sowie den Umweltschutz. Der eigentliche Zweck steht aber im Budget: Die Paketsteuer soll die Mehrwertsteuersenkung auf Grundnahrungsmittel refinanzieren. Seit 1. Juli gelten für Brot, Milch, Butter, Eier und einiges mehr 4,9 statt 10 Prozent.
Die Rechnung dahinter ist ernüchternd. Dem Finanzministerium entgehen durch die Senkung rund 400 Millionen Euro im Jahr, die Paketsteuer soll 280 Millionen bringen. Sie deckt das Loch also nicht einmal. Ein durchschnittlicher Haushalt spart laut Finanzstaatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl rund 100 Euro im Jahr, das sind gut 8 Euro im Monat, und die Inflation sinkt um 0,1 bis 0,2 Prozentpunkte. Fairerweise: Die Arbeiterkammer hat nachgemessen und bestätigt, dass die Supermärkte die Senkung an die Kunden weitergeben.
Dafür durfte der Handel umbauen. Der Handelsverband spricht von rund 6 Millionen Euro Investitionen in Kassen, Warenwirtschaft und Preisauszeichnung, besonders belastend für kleine Nahversorger. Die Wirtschaftskammer nannte die Regelung das Gegenteil von Entbürokratisierung. Die Senkung bringt kaum etwas, verursacht aber viele Kosten: 400 Millionen Euro Steuerausfall im Jahr und Millionen für die Umstellung im Handel. Das ist meine Bilanz.
Wir haben kein Einnahmen-, sondern ein Ausgabenproblem
Das ist meine Meinung, und der Fiskalrat sieht es ähnlich. Er erwartete bei seiner Prognose vom November 2025 für heuer ein Budgetdefizit von 4,2 Prozent der Wirtschaftsleistung und kritisierte, dass die Ausgabendynamik trotz Sparpaket weitgehend unverändert bleibt. Präsident Christoph Badelt sprach von einem „teuflischen Selbststeigerungsmechanismus bei den Ausgaben“. Eine neue Abgabe hier, eine Senkung dort: Das ist Flickwerk, keine Lösung.
Wer profitiert wirklich?
Vielleicht die großen Einkaufszentren. Das größte Österreichs, die Shopping City Süd, steht in Vösendorf und damit in unserer Region. Dort wird keine Paketsteuer fällig, und geparkt wird bis zu 4 Stunden gratis. Auch die Post kann profitieren: Ihre Plattform shöpping liegt unter der 100-Millionen-Grenze und wirbt als „paketsteuerfreie Alternative“. Nur zählt das nicht wirklich zur gelebten Regionalität. Regional ist für mich der Betrieb im Ort, bei dem das Geld und die Arbeitsplätze auch im Ort bleiben.
Regionalität scheitert oft am Parkplatz
Wer die Ortskerne stärken will, darf die Kunden nicht aussperren. Ein Beispiel liefert Mödling, wo seit Monaten über die Ausweitung der Blauen Zone gestritten wird. Eine Bürgerinitiative hat rund 900 Unterschriften dagegen gesammelt, der ÖVP-Wirtschaftsbund warnt vor weniger Kundenfrequenz. Laut einer Kundenbefragung kommen 63 Prozent der Kunden mit dem Auto. Die Stadt sieht das anders: Es gebe genug Parkplätze für Kunden und Besucher, die Höchstparkdauer wurde auf drei Stunden verlängert. Wer recht hat, zeigt sich in den Frequenzzahlen und im Leerstand der Hauptstraße.
Ich halte es für ideologisch, den Menschen das Einkaufen im Ort per Parkraumpolitik zu verleiden und gleichzeitig darüber zu klagen, dass sie ins Einkaufszentrum fahren. Dort ist der Parkplatz nämlich das Erste, was man einem Kunden bietet.
Was Ortszentren wirklich belebt
Es gibt Orte, die zeigen, dass es geht. Der Standortentwickler Roland Murauer von der Agentur Cima sieht in Cross-over-Konzepten, bei denen sich Handel und Gastronomie zusammentun, die Zukunft der Zentren. In Krummnußbaum sitzen dafür Nahversorger, Café, Co-Working, Friseur und Veranstaltungssaal in einem Gebäude. Krems setzt auf rund 200 Veranstaltungstage im Jahr und meldet laut Stadtmarketing über 5 Prozent mehr Passanten und einen Leerstand von 7 statt 20 Prozent. Der Wochenmarkt in Rankweil in Vorarlberg kam nach einer Neuausrichtung auf 68 Prozent mehr Besucher als vier Jahre zuvor. Die Zahlen aus Krems und Rankweil sind Eigenangaben, die Richtung stimmt aber: Erlebnis, Gastro und Handel gehören zusammen.
Gelebte Regionalität heißt für mich: Gemeinden, die Kunden den Weg in den Ort leicht machen, Veranstaltungen, die Frequenz bringen, und Kundinnen und Kunden, die vor dem nächsten Klick kurz überlegen, ob es den Artikel nicht gleich ums Eck gibt. Eine Paketsteuer ersetzt das nicht. Ob sie wenigstens ein kleiner Anstoß ist, werden die nächsten Monate zeigen.



