Veröffentlicht am 1. Oktober 2026

In Perchtoldsdorf heißt der Herbst Huatzeit. Sie beginnt traditionell am letzten Samstag im August und endet mit dem Hiataeinzug, dem größten Erntedankfest Österreichs, und der Jungweinpräsentation. Heuer fällt der Hiataeinzug auf Sonntag, den 8. November 2026. Wer mitfeiern will, hat davor schon einige Gelegenheiten.

Was „Huatzeit“ bedeutet

Die Huatzeit (Hutzeit) ist die Zeit, in der die Weinhüter, die „Hiata“, ab der Traubenreife bis zum Ende der Lese in den Weingärten über die Ernte wachten. Sie hielten Traubendiebe, Wild und Vögel fern und beaufsichtigten die Arbeiter bei der Lese. Sie waren beeidet und bis in die 1970er Jahre auch bezahlt. Während der ganzen Huatzeit mussten sie nüchtern bleiben. Untergebracht waren sie in kleinen, fensterlosen Hütten mitten in den Rieden. Sechs davon stehen noch heute in den Rieden Haspel, Goldbiegl, Fener, Herzogberg, Sossen und Vierbatz.

Ab Mitte des 20. Jahrhunderts verlor die Aufsicht der Weinhüter an Bedeutung, und die Hütten verwaisten. Das Brauchtum blieb in Perchtoldsdorf trotzdem lebendig, im Gegensatz zu vielen anderen Orten, wo es in Vergessenheit geriet.

Die Geschichte des Hiataeinzugs

Die Bestellung der Weingartenhüter reicht ins Mittelalter zurück, die ältesten Aufzeichnungen darüber stammen aus dem 16. Jahrhundert. Der Hiataeinzug selbst geht der Überlieferung nach auf das 15. Jahrhundert zurück. 2022 wurde sein 600-Jahr-Jubiläum gefeiert. 2010 nahm man ihn nach den Kriterien der UNESCO-Konvention zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes in das nationale Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Österreich auf.

Gefeiert wird jedes Jahr am ersten Sonntag nach dem Leonharditag am 6. November. Warum gerade der heilige Leonhard, der kein Weinheiliger, sondern Viehpatron ist, erklärt die Überlieferung auf mehrere Arten, eine schlüssige Begründung gibt es nicht.

Der Ablauf ist seit Langem derselbe. Die Hiata, junge Männer aus Weinhauerfamilien, ziehen mit ihren Familien und einer Blasmusikkapelle zum Dankgottesdienst in die Kirche, drei von ihnen reiten auf geschmückten Pferden voran. Im Mittelpunkt steht die Pritschn, die Erntekrone: ein rund 80 Kilogramm schwerer, mit Eichenlaub verzierter Drehkörper auf einer Stange, an dessen oberem Ende zwei goldene Herzen aus Walnüssen sitzen. Der Pritschenträger muss sie beim Gehen drehen lassen, ohne selbst aus dem Gleichgewicht zu kommen. Danach geht es auf den Marktplatz, wo die Hiata zum Abschluss ihre Gstanzln singen, selbst gedichtete, oft ziemlich bissige Vierzeiler über Politik, Ortsgeschehen und die Kollegen aus der Hauerschaft.

Die heutigen Hiata, etwa 20 Burschen aus dem Hauerstand, hüten längst keine Weinberge mehr. Sie hüten den Ablauf des Festes. Am letzten Samstag im August ziehen sie ihre blauen Spenzer an, vergeben die Ämter vom Standartenträger bis zum Hiatavoda und bereiten das Fest bis zum November vor. Jedes dieser Ämter kann man nur einmal im Leben übernehmen.

Die Termine 2026

  • Sonntag, 4. Oktober, 12 bis 17 Uhr: Tag der offenen Hiatahütten. Frischer Most und Sturm, dazu spielen die Perchtoldsdorfer Blasmusik, die Hauerkapelle und die Trachtenkapelle. Geöffnet sind die Hiatahütten in den Rieden Haspel, Goldbiegl und Sossen. Nur bei Schönwetter. Informationen auf riedenkarten.at.
  • Sonntag, 4. Oktober, 11 bis 14 Uhr: Weingartenwanderung mit Weinverkostung. Geführte Riedenwanderung ab dem Parkplatz Sportplatz Perchtoldsdorf, danach Verkostung. Nur bei Schönwetter.
  • Sonntag, 18. Oktober, 18 bis 20:30 Uhr: Huatzeitkonzert der Blasmusik Perchtoldsdorf in der Burg Perchtoldsdorf. Dabei werden Hiatavater, Hiatamutter, Oberhiata und Pritschenträger vorgestellt. Tickets über eventjet.
  • Sonntag, 8. November: Hiataeinzug am Marktplatz Perchtoldsdorf. Von 10 bis 12 Uhr kann der junge Jahrgang direkt am Marktplatz verkostet werden. Mehr auf hiataeinzug.at.
  • Dienstag, 24. November, 18 bis 22 Uhr: Der Junge Hiata. Jungweinpräsentation im Festsaal der Burg Perchtoldsdorf, mit der die Weinhauer die Huatzeit abschließen. Informationen auf derjungehiata.at.

Zum Hiataeinzug gibt es auf regio-aktuell.at auch den Rückblick auf das 600-Jahr-Jubiläum.

Dazwischen zum Heurigen

Zwischen den Terminen lohnt sich der Weg zu den Heurigen im Ort. Welche gerade ausgesteckt haben, zeigt der Kalender auf perchtoldsdorf.com. Ein Spaziergang über die Perchtoldsdorfer Heide endet im Herbst am besten bei frischem Sturm und einem Aufstrichbrot.