Veröffentlicht am 18. Oktober 2026
Tief unter dem südlichen Wiener Becken könnte ein bisher ungenutzter Wärmeschatz liegen. Die EVN hat deshalb ihr Forschungsprogramm „GeoWärme Niederösterreich“ in die nächste Phase geschickt und dafür im September und Oktober Informationsveranstaltungen in der Region abgehalten, unter anderem in Oberwaltersdorf und Wiener Neudorf.
Messfahrzeuge erkunden den Untergrund
Im Zentrum des Projekts steht die sogenannte Vibrationsseismik. Spezielle Messfahrzeuge, sogenannte Vibro-Trucks, fahren dafür entlang festgelegter Strecken und erzeugen alle 50 Meter mit hydraulischen Rüttelplatten kontrollierte Vibrationen. Die Schallwellen dringen bis zu drei Kilometer tief in den Boden ein und werden von tausenden Geophonen entlang der Strecke wieder aufgezeichnet. Aus diesen Daten erstellen Fachleute ein genaues Modell des Untergrunds.
Die eigentliche Messkampagne läuft von November 2026 bis Februar 2027 und erstreckt sich über mehr als 330 Kilometer in über 60 Gemeinden in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland. An einem einzelnen Messpunkt dauern die Arbeiten laut EVN meist nur wenige Minuten.
Bis zu 30.000 Haushalte könnten profitieren
Ziel der Untersuchungen ist es, geeignete Standorte für die Nutzung von Tiefengeothermie zu finden. Bis 2035 sollen im Industrieviertel zwei Geothermieanlagen entstehen, die ihre Wärme direkt in bestehende Naturwärmenetze einspeisen. Nach Angaben der EVN könnten damit künftig 20.000 bis 30.000 Haushalte in der Region versorgt werden. Tiefengeothermie soll dabei bestehende erneuerbare Wärmequellen wie Biomasse und Großwärmepumpen ergänzen, da Erdwärme unabhängig von Wetter und Jahreszeit rund um die Uhr zur Verfügung steht.
EVN beruhigt Anrainerinnen und Anrainer
Dass auffällige Messfahrzeuge durch die Straßen fahren, wirft bei vielen Anrainerinnen und Anrainern Fragen auf. EVN-Sprecher Stefan Zach stellt dazu klar: „Für Anrainerinnen und Anrainer bedeutet die Vibrationsseismik vor allem eines: Es besteht kein Handlungsbedarf. Die Untersuchungen erfolgen kontrolliert, technisch überwacht und überwiegend auf öffentlichen Straßen und Wegen.“ Das Geräuschniveau der Vibrationen soll demnach etwa dem einer Straßenwalze oder einer vorbeifahrenden Straßenbahn entsprechen. Die Straßen sollen während der Arbeiten grundsätzlich befahrbar bleiben.
Der Weg ist noch lang
Ob sich der Untergrund im südlichen Wiener Becken tatsächlich für Tiefengeothermie eignet, zeigt sich erst nach Auswertung der seismischen Messungen. Erst danach lassen sich konkrete Standorte für mögliche Bohrungen festlegen. Bis zu den geplanten zwei Anlagen im Jahr 2035 stehen noch Genehmigungsverfahren, technische Detailplanungen und die eigentlichen Bohrarbeiten an. Für die Thermenregion bedeutet das: Die Weichen werden gerade erst gestellt, ob daraus tatsächlich eine neue regionale Wärmequelle wird, zeigt sich erst in den kommenden Jahren.
Bild: EVN_Wurnig



