Veröffentlicht am 16. Oktober 2026

St. Pölten (OTS) – 

Sturm, Schnee- und Eisbruch oder starker Borkenkäferbefall können innerhalb kurzer Zeit große Holzmengen verursachen und den Holzmarkt unter Druck setzen. Um für solche Ereignisse künftig besser gerüstet zu sein, hat der NÖ Waldverband in Thumling bei Martinsberg ein Nasslager errichtet. Bis zu 15.000 Festmeter Rundholz können dort über Monate qualitätserhaltend gelagert und zeitlich gestaffelt vermarktet werden. Am 16. Oktober wurde das Nasslager im Beisein von LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf, Landwirtschaftskammer NÖ-Vizepräsidentin Andrea Wagner und NÖ Waldverband-Obmann Franz Fischer offiziell eröffnet.

„Mit diesem Nasslager haben wir ein strategisch bedeutendes Infrastrukturprojekt für unsere Mitglieder verwirklicht. Gerade nach Stürmen sowie bei Schnee- und Eisbruch oder massivem Borkenkäferbefall fallen oft innerhalb kürzester Zeit enorme Holzmengen an, die den Markt unter Druck setzen. Mit der neuen Anlage können wir das Holz gezielt zwischenlagern, seine Qualität erhalten und die Vermarktung zeitlich steuern. Damit schaffen wir mehr Handlungsspielraum für unsere Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer und leisten einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung des Holzmarktes“, betont NÖ Waldverband-Obmann Franz Fischer.

Das Prinzip ist einfach, aber wirkungsvoll: Das eingelagerte Holz wird kontinuierlich beregnet und dadurch dauerhaft feucht gehalten. Bereits bei der Planung und Ausführung wurde besonderes Augenmerk auf einen schonenden Umgang mit der Ressource Wasser gelegt. Das erforderliche Wasser wird im Kreislauf geführt. Als Wasserquellen dienen zwei ergiebige Quellen sowie vorhandenes Oberflächenwasser. Das verhindert weitgehend die Entwicklung von Borkenkäfern im gelagerten Holz, hemmt holzzerstörende Pilze und schützt vor Qualitätsverlusten durch Austrocknung, Rissbildung und Verfärbungen. So bleibt der wertvolle Rohstoff Holz über viele Monate für die weitere Verarbeitung erhalten. Entscheidend ist auch die Funktion als Puffer für den Holzmarkt: Nach größeren Schadereignissen müssen oft erhebliche Holzmengen rasch aus den Wäldern gebracht werden. Können diese nicht unmittelbar von der Holzindustrie aufgenommen werden, bietet das Nasslager eine Möglichkeit zur Zwischenlagerung. Damit lassen sich Angebotsspitzen abfedern und die Holzmengen zeitlich gestaffelt vermarkten.

Vorsorge schafft Sicherheit für die heimische Forstwirtschaft
„Wir müssen heute vorsorgen, damit wir morgen im Ernstfall rasch und gezielt handeln können. Mit dem neuen Nasslager schafft der NÖ Waldverband eine wichtige Reserve für größere Schadereignisse und stärkt gleichzeitig den Wirtschaftsstandort Waldviertel. Unser heimisches Holz ist ein wertvoller, nachwachsender Rohstoff, der Arbeitsplätze sichert und regionale Wertschöpfung schafft – vom Wald über die Sägewerke bis zur Verarbeitung. Gerade deshalb ist es entscheidend, diesen Rohstoff bestmöglich zu nutzen und seine Qualität auch in schwierigen Zeiten zu sichern“, unterstreicht LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf die Investition.

Landwirtschaftskammer NÖ-Vizepräsidentin Andrea Wagner betont die Herausforderungen für die Waldbewirtschaftung: „Unsere Waldbäuerinnen und Waldbauern investieren laufend in den Waldumbau und arbeiten über Generationen hinweg daran, ihre Wälder an veränderte klimatische Bedingungen anzupassen. Wenn Sturm, Dürre oder Borkenkäfer zuschlagen, können innerhalb kürzester Zeit die Arbeit und die Investitionen vieler Jahrzehnte zunichtegemacht werden. Die klimatischen Bedingungen können wir nicht steuern. Umso wichtiger ist es, dort vorzusorgen, wo wir Handlungsmöglichkeiten haben. Mit dem neuen Nasslager schafft der NÖ Waldverband genau diesen Spielraum. Es ist ein wichtiger Meilenstein für mehr Sicherheit und Widerstandsfähigkeit in unserer Forstwirtschaft.“

Angespannte Forstschutzsituation unterstreicht Bedeutung der Vorsorge
Wie wichtig solche Vorsorgemaßnahmen sind, zeigt die aktuelle Situation in Niederösterreichs Wäldern. Extreme Hitze, anhaltende Trockenheit und erhebliche Niederschlagsdefizite haben die Waldbestände in den vergangenen Monaten massiv belastet. Nahezu alle Baumarten zeigen deutliche Trockenstresssymptome. Die geschwächten Bäume sind zudem anfälliger für Schädlinge wie den Borkenkäfer. Die Situation ist regional unterschiedlich, insgesamt jedoch äußerst angespannt. Auch wenn für das heurige Jahr keine marktbeeinflussenden Käferholzmengen mehr erwartet werden, bleibt das Risiko für die kommenden Jahre bestehen. Insbesondere bei weiterhin ausbleibenden Niederschlägen oder einem erneut schneearmen Winter könnte der Borkenkäferbefall zunehmen. Regelmäßige Kontrollen der Waldbestände sowie die rasche Aufarbeitung und Entfernung von befallenem Holz bleiben daher unverzichtbar.

Strategischer Standort stärkt regionale Wertschöpfung
Der Standort in Thumling bei Martinsberg wurde mit Blick auf mögliche künftige Schadereignisse und die regionale Holzlogistik gewählt. Das Waldviertel gilt als potenzielles Risikogebiet für größere Borkenkäferkalamitäten. Gleichzeitig liegt das Nasslager günstig im Einzugsgebiet der regionalen Holzindustrie. Kurze Transportwege erleichtern die Logistik und unterstützen eine effiziente Weiterverarbeitung des heimischen Rohstoffs.

Nasslager Thumling – die wichtigsten Fakten

  • Bauzeit: September 2025 bis Juni 2026

  • Lagerkapazität: 15.000 Festmeter

  • Funktionsweise: Kontinuierliche Beregnung zur langfristigen Erhaltung der Holzqualität. Als Wasserquellen dienen zwei ergiebige Quellen sowie vorhandenes Oberflächenwasser.

  • Einsatzgebiet: Vorsorge für große Holzmengen nach Sturm, Schnee- und Eisbruch sowie bei Borkenkäferbefall

  • Ziel: Holzqualität erhalten, Angebotsspitzen am Holzmarkt abfedern und eine zeitlich gestaffelte Vermarktung ermöglichen

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