Veröffentlicht am 25. September 2026

Hobby-Imker Prof. Volker Dofrenik warnt vor den ökologischen Folgen der geplanten Ausweitung der gebührenpflichtigen Kurzparkzone

Mödling ist für seine Gärten und sein grünes Stadtbild bekannt. Doch genau diese Grünflächen könnten durch die geplante Ausweitung der gebührenpflichtigen Kurzparkzone zunehmend unter Druck geraten. Davon ist Volker Dofrenik, Biologieprofessor am Bundesgymnasium Keimgasse in Mödling und Hobby-Imker, überzeugt. Seine Sorge: Wird der Parkraum von der Straße auf Privatgrundstücke verdrängt, könnten zahlreiche Grundstückseigentümer gezwungen sein, Stellplätze in ihren Vorgärten zu schaffen. Er weist damit auf Aussagen von Regierungsmitglieder hin, die genau durch diese Maßnahme die Grundstückbesitzer dazu drängen wollen, Ihre Fahrzeuge nicht mehr auf öffentlicher Fläche vor ihrem Haus abzustellen. Er ist überzeigt, dass diese Vorgehen aus biologischer Sicht erhebliche Folgen haben wird. „Wir dürfen nicht vergessen, dass jeder Vorgarten auch ein kleiner Lebensraum ist“, erklärt Dofrenik. Blühpflanzen, Sträucher, Bäume, Bodentiere und Insekten finden dort Nahrung und Unterschlupf. Für Bienen und andere Insekten sind solche Flächen wichtige ökologische „Trittsteine“ innerhalb des Stadtgebiets. Werden diese Grünflächen durch befestigte Autoabstellplätze ersetzt, gehen wertvolle Lebensräume verloren.

Professor Dofrenik sieht neben dem Verlust von Pflanzen und Lebensräumen auch Auswirkungen auf das Stadtklima. Befestigte Flächen speichern Wärme und damit wird die Verdunstung reduziert, was dem Mikro-Klima eindeutig nicht zuträglich ist. Dadurch kann sich das unmittelbare Umfeld stark aufheizen. Auch das Prinzip der „Schwammstadt“ werde dadurch aus seiner Sicht konterkariert. Wo heute noch Grünflächen und versickerungsfähige Böden vorhanden sind, könnten künftig befestigte Stellplätze entstehen, da es keine Vorschriften gibt, wie der Privatparkplatz zu gestalten ist. „Wir sollten vorhandene Versickerungsflächen erhalten, statt sie Stück für Stück zu reduzieren“, so der Biologe. Je nach Grundstück könnten dadurch fünf bis zehn Prozent der Gartenfläche verloren gehen. Zusätzlich drohten historische Gartenzäune und gewachsene Gartenstrukturen zu verschwinden, die ein Vorgartenparkplatz in der Regel nur mehr ein neues Schiebetor zulässt.

Dass Dofrenik mitten in Mödling Bienen hält, macht die Auswirkungen für ihn unmittelbar und deutlich sichtbar. Seine Bienenvölker nutzen die Blütenangebote in der Stadt und ihrer Umgebung. Zwar können Honigbienen mehrere Kilometer weit fliegen, doch ein vielfältiges Angebot an Blütenpflanzen in der näheren Umgebung ist für ein funktionierendes Stadtökosystem von großer Bedeutung. „Wenn wir immer mehr Grünflächen durch versiegelte Flächen ersetzen, verlieren wir nicht nur Blütenpflanzen. Wir reduzieren auch die Zahl und Vielfalt der Insekten – und damit eine wichtige Nahrungsgrundlage für andere Tiere“, warnt Dofrenik. Als sichtbares Negativ-Beispiel für diese Entwicklung verweist er auf bereits realisierte Vorgarten-Stellplätze – unter anderem auf einen Parkplatz im Vorgarten eines GRÜNEN-Funktionärs. Für Dofrenik zeigt sich daran die grundsätzliche Problematik: Aus grünen Vorgärten werden hitzespeichernde Autostellflächen.

Professor Dofrenik hat seine Bedenken nach eigenen Angaben bereits vor Monaten an Bürgermeisterin Silvia Drechsler, Vizebürgermeister Rainer Praschak (GRÜNE) und GRÜNEN-Klubchef Tim Pöchhacker herangetragen. Eine Antwort habe er darauf bislang nicht erhalten. Deshalb wandte er sich an ÖVP-Chef KommR Gert Zaunbauer. Dieser reagierte umgehend, besuchte Dofrenik und ließ sich dabei auch dessen Bienenkolonie zeigen. Zaunbauer nach dem Besuch: „Herr Dofrenik schätzt die Lage vollkommen korrekt und mit Hausverstand ein. Ich verstehe und teile seine Sorgen. Hier wird wiedereinmal stadtregierungsseitig mit zweierlei Maße gemessen und politideologisch über die Sorgen der Bürger entschieden.“

Für Zaunbauer geht es dabei nicht nur um die Frage der Parkraumbewirtschaftung. Er sieht auch die wirtschaftlichen Interessen der Mödlinger Betriebe und die Erhaltung des charakteristischen Stadtbildes betroffen. „Parkraum darf nicht einfach in die Gärten wandern“, so Zaunbauer. Dofrenik plädiert daher für eine ganzheitliche Betrachtung der geplanten Kurzparkzone. Die Frage dürfe nicht ausschließlich lauten, wo Autos abgestellt werden können. Ebenso müsse berücksichtigt werden, was verloren geht, wenn Parkraum in private Gärten verlagert wird. „Mödling sollte sein Gartenstadt-Image nicht aufs Spiel setzen. Jeder Vorgarten, der verschwindet, ist ein Stück Grün, ein Stück Lebensraum und eine weitere versiegelte Fläche“. , ist die Botschaft des Biologen und Imkers klar. Zaunbauer ergänzt. „ Eine planlose Parkraumpolitik dürfe nicht dazu führen, dass öffentliche Parkflächen auf Kosten privater Grünflächen entstehen.“

Parkraum von der Straße in die Gärten zu verlagern, löst das Parkplatzproblem nicht – es verändert lediglich seinen Ort und schafft gleichzeitig ein ökologisches Problem.

Bild: Zaunbauer