In der Urlaubszeit fällt es besonders auf. Man fährt in die Nachbarländer, kauft dort ein und merkt beim Blick auf den Kassazettel, dass Lebensmittel in Österreich wirklich teuer sind. Deutlich teurer als etwa in Deutschland. Dort kostet sogar ein österreichisches Produkt oft weniger als bei uns, im Land des Herstellers.
Woran das liegt? Aus der Politik hört man regelmäßig denselben Satz. Schuld sei der sogenannte Österreich-Aufschlag, und regeln lasse sich das nur in Brüssel. Brüssel ist für vieles verantwortlich, keine Frage. Aber für den Preis der Butter im Regal von Perchtoldsdorf?
Näher liegt eine andere Erklärung. Der österreichische Lebensmittelhandel ist in wenigen Händen. Je nach Zählweise teilen sich rund 90 Prozent des Marktes drei Konzerne. Eine der Zentralen steht bei uns in der Region, den Namen sparen wir uns an dieser Stelle. Wo drei Einkäufer den Ton angeben, hat ein Landwirt wenig zu verhandeln, und der Kunde an der Kassa noch weniger.
Die Politik könnte hier im eigenen Land ansetzen. Die Preisbildung offenlegen, nachfragen, warum dasselbe Packerl ein paar Kilometer weiter billiger ist, und im Zweifel nachhelfen. Auf Brüssel zu zeigen ist bequemer.
Was kann man selbst tun? Ein Boykott geht sich im Alltag nicht aus, dafür sind die Wege zu eingefahren. Aber man kann Stück für Stück umsteigen. Das Fleisch zum Beispiel direkt beim Bauern in Breitenfurt kaufen. Eine bessere Herkunftsgarantie gibt es nicht, man steht am Hof und sieht, woher es kommt. Das frische Rindfleisch bekommt man dort im Plastikkübel, zu Hause zerlegt und verarbeitet man es selbst. Ausprobiert, und das Ergebnis war hervorragend.
Die Möglichkeiten dafür sind in unserer Gegend zahlreicher, als viele glauben. In Perchtoldsdorf steht jeden Mittwoch von 14 bis 19 Uhr der Wochenmarkt am Marktplatz vor dem Rathaus, mit rund 15 kleinen Produzenten und Direktvermarktern, vieles davon in Bio-Qualität. Breitenfurt führt auf seiner Gemeindeseite eine ganze Liste an Ab-Hof-Betrieben, von der Imkerei bis zum Biomilchhof. Wer weiter schauen will, findet über Verzeichnisse wie gutesvombauernhof.at oder den Hofladenfinder die Höfe im Umkreis samt Öffnungszeiten.
Bleibt die Frage, warum es dann an jeder Ecke einen Supermarkt gibt. Die Dichte bei uns ist absurd. Jemand hat einmal behauptet, in Perchtoldsdorf könne man mit angehaltener Luft von einem Supermarkt zum nächsten laufen. Ganz falsch ist das nicht, und vielleicht sagt genau das mehr über unsere Preise aus als jede Erklärungsversuch Richtung Brüssel.



