In St. Georgen, einem Ortsteil der Gemeinde Traismauer im Bezirk St. Pölten-Land, sorgt ein Mastbetrieb erneut für Aufsehen. Der Verein gegen Tierfabriken (VGT) veröffentlichte diese Woche neue Aufnahmen aus den Stallungen des Betriebs von F. Gramer. Sie sollen zeigen, dass Schafe, Ziegen und Rinder unter erschütternden Bedingungen gehalten werden. Es ist bereits die zweite Anzeige des Vereins gegen den Betrieb innerhalb weniger Jahre. Die erste liegt rund drei Jahre zurück.
Symbolbild. Die im Artikel genannten Tierhaltungsvorwürfe beziehen sich nicht auf das abgebildete Foto. (Quelle: Pixabay)
Hunderte gingen auf die Straße
Die Reaktion aus der Bevölkerung ließ nicht lange auf sich warten. Rund 400 Menschen folgten dem Aufruf des VGT zu einer Demonstration und Mahnwache direkt vor dem Betrieb. Sie zogen durch die Gemeinde bis vor die Stallungen und forderten geschlossen ein Einschreiten der Behörden sowie die Schließung des Hofs. Ein derartiger Zuspruch bei einer Kundgebung mitten in der niederösterreichischen Provinz ist selten und zeigt, wie tief die Bilder aus den Ställen die Menschen in der Region getroffen haben.
Auch die Stadtgemeinde Traismauer bezog Stellung und betonte, dass ihr das Tierwohl ein wichtiges Anliegen sei und die veröffentlichten Bilder niemanden kaltlassen würden.
Politischer Druck wächst
Die Grünen in Niederösterreich schalten sich mittlerweile ebenfalls ein. Landtagsabgeordneter Dominic Hörlezeder fordert die sofortige behördliche Schließung des Betriebs und die umgehende Abnahme der Tiere. Er ordnet den Fall Traismauer zudem in ein größeres Problem ein. Aus seiner Sicht sind die Bezirkshauptmannschaften bei den Tierschutzkontrollen personell überfordert, Amtstierärztinnen und Amtstierärzte würden seit Jahren am Limit arbeiten. Wenn Kontrollen nur sporadisch stattfinden und Auflagen nicht konsequent nachverfolgt werden, entstünden genau jene blinden Flecken, in denen sich solche Fälle über Jahre fortsetzen könnten.
Diese strukturelle Kritik trifft einen wunden Punkt. Ein Betrieb, gegen den bereits vor drei Jahren Anzeige erstattet wurde, taucht jetzt wieder mit denselben Vorwürfen auf. Das wirft zwangsläufig die Frage auf, was in der Zwischenzeit tatsächlich kontrolliert und nachverfolgt wurde.
Wichtige Klarstellung: Verwechslungsgefahr
In der öffentlichen Debatte kam es bereits zu einer schweren Verwechslung. In Traismauer sind zwei Familien mit demselben Nachnamen ansässig. Ein völlig unbeteiligter, namensgleicher Heurigenbetrieb in Gemeinlebarn wurde im Internet und per E-Mail wüst beschimpft, obwohl zwischen den beiden Betrieben keinerlei Verbindung besteht. Das zeigt, wie schnell berechtigte Empörung ins Leere und gegen die Falschen treffen kann, wenn Fakten nicht sorgfältig geprüft werden.
Bei allem Ärger über die Zustände in den Stallungen von St. Georgen gilt daher: Die Vorwürfe richten sich ausschließlich gegen den Betrieb von F. Gramer in St. Georgen. Eine behördliche oder gerichtliche Klärung der genauen Umstände steht nach aktuellem Stand noch aus.
Eine Stellungnahme von F. Gramer war bis Redaktionsschluss nicht zu erhalten. Sollte sie nachgereicht werden, wird dieser Artikel entsprechend aktualisiert.
Fest steht schon jetzt: Die Menschen in der Region wollen solche Zustände nicht länger hinnehmen. Und die Forderung nach mehr Personal und konsequenteren Kontrollen bei den Bezirkshauptmannschaften dürfte über den Einzelfall Traismauer hinaus noch für Diskussionen sorgen.



