Veröffentlicht am 12. September 2026

Kaum ist der erste Schultag vorbei, ist die alte Diskussion wieder da. WKÖ-Präsidentin Martha Schultz hat sie am 11. September in der ORF-„ZiB“ erneut angestoßen: Sechs statt neun Wochen Sommerferien würden reichen, sagte sie. Ihr Hauptargument ist die Situation der Mütter, die nach wie vor den Großteil der Care-Arbeit übernehmen. Sowohl aus ihrer eigenen Branche als auch aus anderen Bereichen höre sie „Klagen über die langen Sommerferien“, so Schultz. Eine Verkürzung würde ihrer Meinung nach vor allem eine „Verbesserung für die Frauen“ bringen und für „diejenigen, die Kinder haben und Betreuungspflichten übernehmen müssen“. Man „sollte einmal darüber diskutieren“, schlug sie im Interview für die Ö1-Reihe „Im Journal zu Gast“ vor. Die APA hat ihre Aussagen noch am selben Abend an die Redaktionen im Land weitergegeben, seither ziehen die Wellen weiter.

Ein Relikt aus der Erntezeit, das niemand mehr ernsthaft verteidigt

Die neun Wochen gehen auf eine Zeit zurück, in der Kinder im Sommer auf dem Feld gebraucht wurden. Die Ernte bestimmte den Schulkalender, nicht die Bedürfnisse von Familien oder der Arbeitsmarkt. Diesen Ursprung führt in der aktuellen Debatte niemand mehr als Argument für neun Wochen ins Feld, aus gutem Grund. Kaum ein Kind in Österreich hilft heute noch auf dem eigenen Hof bei der Ernte, während die Eltern trotzdem die gesamte Ferienzeit überbrücken müssen. Über die richtige Ferienlänge lässt sich streiten, darüber, dass der historische Grund dafür überholt ist, eigentlich nicht mehr.

Wirtschaft und Elternvertreter für Verkürzung

Neben der WKÖ fordern vor allem die Wiener Pflichtschulelternvereine sechs Wochen. Ihre Begründung: Die lange Sommerpause reißt eine Betreuungslücke auf, die vor allem berufstätige Mütter zu schließen versuchen, mit Sommercamps, Sportwochen oder privat organisierter Betreuung, die zusätzlich Geld kostet. Dazu kommt der befürchtete Wissensverlust bei Kindern, wenn neun Wochen lang nicht gelernt wird.

Niederösterreich bleibt skeptisch

In ländlicheren Bundesländern wie Niederösterreich oder Salzburg trifft der Vorstoß traditionell auf wenig Begeisterung. Auch die Lehrergewerkschaften winken ab. Ihr Einwand: Eine reine Ferienkürzung löst das eigentliche Problem nicht, nämlich die fehlende ganzjährige Kinderbetreuung an den Schulen. Sie verschiebt es höchstens in andere Wochen, weshalb Skepsis hier nicht mit einem Festhalten an der alten Begründung zu verwechseln ist, sondern mit Zweifeln an der Lösung.

Tourismusbranche warnt vor Ballung

Am deutlichsten regt sich Widerstand aus dem Tourismus. Ein großer Teil der Umsätze im heimischen Sommertourismus wird in den Ferienmonaten erwirtschaftet. Fallen drei Wochen weg, verdichtet sich die Hauptsaison entsprechend, was aus Sicht der Branche die Preise für Familienurlaube weiter nach oben treiben würde, also genau die Kosten erhöht, die Elternvertreter eigentlich senken wollen.

Für Eltern bleibt die Ausgangslage unverändert schwierig: Neun Wochen ohne Schule bedeuten neun Wochen, in denen Betreuung organisiert und meist auch bezahlt werden muss, ob über Camps, Sportangebote oder Verwandte. Wie genau man das Problem löst, ob mit sechs Wochen, mit ganzjähriger Betreuung an den Schulen oder mit einer Kombination aus beidem, bleibt umstritten. Dass die Erntezeit dafür keine Erklärung mehr liefert, ist es nicht.