Einige Oldtimer brechen am Freitag, 18. September, vom Marktplatz Perchtoldsdorf Richtung Süden auf. Das Ziel ist Triest, und zwar auf möglichst genau der Strecke, die schon die alten Rallyes von Wien an die Adria genommen haben: der historischen Triester Reichsstraße, der einstigen Poststraße von Wien nach Triest.

Treffpunkt ist um 07:00 Uhr am Marktplatz, abgefahren wird um 07:30 Uhr. Die Idee dazu gibt es in der Runde schon länger. Heuer wird sie umgesetzt.

Diese erste Fahrt läuft in kleiner Gruppe und ohne echten Oldtimer-Rallye-Charakter. Es geht darum, die Strecke gemeinsam zu fahren, nicht um Wertung. Läuft die Premiere gut, folgt eine Wiederholung mit einem zusätzlichen Tag und mit Sonderprüfungen.

Die alte Poststraße an die Adria

Die Verbindung von Wien nach Triest war über Jahrhunderte eine der wichtigsten Verkehrsachsen der Habsburgermonarchie. Als Kaiser Karl VI. Triest 1719 zum Freihafen erklärte, bekam das Binnenland seinen Zugang zum Meer, und der Ausbau der Straße dorthin wurde zur Staatsaufgabe. Über den Semmering entstand 1728 die erste fahrbare Passstraße, ein Denkmal für Karl VI. nahe der Passhöhe erinnert bis heute daran. Im 19. Jahrhundert wurde die Strecke noch einmal großzügig ausgebaut.

Über diese Route liefen Post, Handel und Reiseverkehr zwischen Residenzstadt und Hafen. Salz, Südfrüchte und Kolonialwaren kamen aus Triest herauf, die Postkutsche war für den Weg mehrere Tage unterwegs. In Niederösterreich lebt dieser Korridor bis heute als B17 Triester Straße weiter, die von Wien nach Süden Richtung Semmering führt. Genau diesem historischen Verlauf folgt die Ausfahrt, so weit das heutige Straßennetz es zulässt.

Die Etappen

Der Freitag ist die lange Etappe: 422 Kilometer, ausschließlich Landstraße. Die Route führt über die alte Semmering-Passstraße mit dem Scheitel bei Maria Schutz auf 984 Metern, nicht durch den S6-Tunnel. Weiter geht es durchs Mürztal, westlich an Graz vorbei über Gratwein, Hitzendorf, Dobl und Wildon, durch die Südsteiermark nach Maribor, Celje und über den Sattel von Trojane. Übernachtet wird in Ljubljana.

Der Samstag ist ein halber Tag: 108 Kilometer über Postojna und den Abfall des Karsts hinunter nach Triest. Zu Mittag soll der Konvoi die Piazza Unità erreichen. Die zweite Nacht verbringen die Teilnehmer in der Stadt.

Die Rückfahrt am Sonntag organisiert jeder Teilnehmer für sich individuell.

Ein Roadbook wie früher

Das Besondere steckt in der Vorbereitung. Für die Ausfahrt wurde ein 21-seitiges Roadbook erstellt, mit einer Turn-by-Turn-Anleitung für jede Abzweigung, jeweils mit laufendem Kilometerstand und Straßennummer. Die Distanzen sind mit einer Routing-Engine geprüft, Autobahnabschnitte wurden bewusst umfahren. Dazu kommen eine Streckenkarte, Navi-Koordinaten und GPX-Tracks. Jeder im Feld fährt damit exakt dieselbe kontrollierte Strecke nach Triest.

Schnelligkeit ist ausdrücklich nicht das Thema. Alte Reichsstraße statt Autobahn, Passstraße statt Tunnel, Ortsumfahrung für einen entspannten Konvoi. Bei dieser Fahrt ist der Weg das Ziel.